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Latein-Deklinationen lernen: a- und o-Deklination einfach erklärt

Deklinieren heißt: Ein Substantiv (Nomen) wechselt seine Endung, je nachdem, welche Aufgabe es im Satz hat. Für die a- und die o-Deklination lernst du pro Wort zehn Formen – fünf im Singular, fünf im Plural.

Aktualisiert am 5. Oktober 2026 · Lesezeit etwa 6 Minuten

Im Deutschen zeigt meist der Artikel, welcher Fall gemeint ist: der Freund, des Freundes, dem Freund, den Freund. Latein hat keinen Artikel. Dort übernimmt die Endung diese Arbeit. Wer die Endungen kennt, findet in einem lateinischen Satz Subjekt und Objekt – egal, an welcher Stelle sie stehen.

Was heißt Deklinieren?

Beim Deklinieren führst du ein Substantiv durch alle Fälle. Jede Form verrät zwei Dinge: den Fall (Kasus) und die Zahl (Singular oder Plural). Im Lateinunterricht brauchst du vor allem fünf Fälle. Zu jedem gehört eine Frage.

FallFrageBeispiel auf Deutsch
NominativWer oder was?die Rose
GenitivWessen?der Rose
DativWem?der Rose
AkkusativWen oder was?die Rose
AblativWomit? Wodurch? Auch: Wo? Wann? Woher?mit der Rose, durch die Rose

Den Ablativ gibt es im Deutschen nicht. Du übersetzt ihn mit einer Präposition, oft mit „mit“ oder „durch“. Steht im Lateinischen schon eine Präposition davor, richtet sich die Übersetzung nach ihr: in via – „auf dem Weg“.

Bei einem Wort wie rosa bleibt der vordere Teil gleich, nur das Ende wechselt: ros-a, ros-ae, ros-am.

Die a-Deklination: rosa

Zur a-Deklination gehören Wörter, die im Nominativ Singular auf -a enden: rosa (die Rose), via (der Weg), memoria (das Gedächtnis). Fast alle sind feminin. Eine Ausnahme sind einige Personenbezeichnungen wie agricola (der Bauer): Sie sind maskulin, haben aber dieselben Endungen.

FallSingularPlural
Nominativrosarosae
Genitivrosaerosarum
Dativrosaerosis
Akkusativrosamrosas
Ablativrosārosis

Im Ablativ Singular ist das a lang – nur daran unterscheidet er sich vom Nominativ. Der Längenstrich in rosā zeigt das an. In lateinischen Texten fehlt der Strich meist. Dann zeigt der Satz, welcher Fall gemeint ist.

Die o-Deklination: amicus und donum

Zur o-Deklination gehören maskuline Wörter auf -us wie amicus (der Freund) und neutrale Wörter auf -um wie donum (das Geschenk) oder gaudium (die Freude). Dazu kommen einige maskuline Wörter ohne -us, zum Beispiel puer (der Junge) und vir (der Mann). Ab dem Genitiv haben sie dieselben Endungen wie amicus: pueri, viri. Der Name kommt vom o, das in mehreren Endungen vorkommt: amico, amicos, amicorum.

Maskulinum: amicus

FallSingularPlural
Nominativamicusamici
Genitivamiciamicorum
Dativamicoamicis
Akkusativamicumamicos
Ablativamicoamicis

Für die Anrede gibt es einen sechsten Fall, den Vokativ. Er sieht fast immer aus wie der Nominativ. Nur Wörter auf -us wie amicus haben im Singular eine eigene Form: amice – „Freund!“

Neutrum: donum

FallSingularPlural
Nominativdonumdona
Genitivdonidonorum
Dativdonodonis
Akkusativdonumdona
Ablativdonodonis

Für jedes neutrale Substantiv gilt: Nominativ und Akkusativ sind gleich, und im Plural enden beide auf -a. Die übrigen Endungen sind dieselben wie bei amicus.

Gleiche Endung, anderer Fall: So hältst du sie auseinander

Mehrere Endungen kommen doppelt oder dreifach vor:

  • -ae (rosae): Genitiv Singular, Dativ Singular oder Nominativ Plural.
  • -a: Nominativ oder Ablativ Singular der a-Deklination (rosa) – oder Nominativ und Akkusativ Plural eines Neutrums (dona).
  • -i: Genitiv Singular (amici, doni) oder Nominativ Plural der maskulinen Wörter (amici).
  • -o (amico, dono): Dativ oder Ablativ Singular.
  • -um: Akkusativ Singular (amicum) – bei einem Neutrum auch Nominativ Singular (donum).
  • -is (rosis, amicis, donis): Dativ oder Ablativ Plural, in beiden Deklinationen.

Eindeutig sind in diesen beiden Deklinationen -us (Nominativ Singular), -am (Akkusativ Singular), -as und -os (Akkusativ Plural) sowie -arum und -orum (Genitiv Plural). Bei den mehrdeutigen Endungen helfen drei Fragen:

  1. Steht das Verb im Singular oder im Plural? In Puellae rosam vident steht das Verb im Plural. Also ist puellae Nominativ Plural: „Die Mädchen sehen die Rose.“
  2. Gibt es schon ein Subjekt? In Amicus puellae rosam dat ist amicus das Subjekt. Für puellae bleiben Genitiv und Dativ.
  3. Wonach fragt das Verb? Das Verb dare (geben) fragt „Wem?“. Deshalb ist puellae hier Dativ: „Der Freund gibt dem Mädchen eine Rose.“ Hängt die Form an einem anderen Substantiv, ist sie meist Genitiv: donum puellae – „das Geschenk des Mädchens“.

Manchmal erlaubt die Grammatik zwei Lösungen. Dann entscheidet der Sinn des Satzes.

Drei Beispielsätze mit Übersetzung

  1. Amicus rosam videt. – Der Freund sieht die Rose. Subjekt ist amicus (Nominativ Singular), Objekt ist rosam (Akkusativ Singular).
  2. Puella amico donum dat. – Das Mädchen gibt dem Freund ein Geschenk. Hier steht amico im Dativ Singular und donum im Akkusativ Singular.
  3. Amici dona puellarum laudant. – Die Freunde loben die Geschenke der Mädchen. Drei Pluralformen: amici (Nominativ), dona (Akkusativ), puellarum (Genitiv).

So lernst du die Endungen: vier Schritte

  1. Hören und sprechenSprich die Reihe laut, immer im gleichen Rhythmus, und hör dir dabei zu: rosa, rosae, rosae, rosam, rosā – rosae, rosarum, rosis, rosas, rosis. Drei Durchgänge reichen. Am nächsten Tag sprichst du sie wieder.
  2. SchreibenSchreibe die Tabelle aus dem Kopf auf, ohne nachzusehen. Vergleiche erst danach. Wiederhole nur die Zeilen, die falsch waren.
  3. An neuen Wörtern anwendenDekliniere via wie rosa, dominus (der Herr) wie amicus und templum (der Tempel) wie donum. So lernst du das Muster und nicht nur ein einzelnes Wort.
  4. Formen bestimmenDreh die Aufgabe um: Welche Fälle kann amicis sein? Welche rosae? Genau das brauchst du beim Übersetzen.
Vokabeln mit Genitiv lernen

Lerne jedes Substantiv mit Genitiv und Geschlecht: rosa, rosae f. – amicus, amici m. – donum, doni n. Der Genitiv zeigt dir, nach welchem Muster ein Wort dekliniert wird.

Wie eine kurze tägliche Runde aussehen kann, steht im Artikel zur 5-Minuten-Lernroutine. In VocalHero gibt es zum Üben Grammatikkarten, zum Beispiel zu den Deklinationen. Die passenden Vokabeln wiederholst du im Vokabeltrainer.

Typische Fehler beim Deklinieren

  • Einen Artikel suchen. Latein hat keinen. Das Wort rosa kann „die Rose“, „eine Rose“ oder nur „Rose“ heißen.
  • Jedes -a für Nominativ Singular halten. Die Form dona ist der Plural von donum.
  • Jedes -um für Akkusativ halten. Bei einem Neutrum wie donum sieht der Nominativ genauso aus.
  • Nach der Wortstellung übersetzen. Auch Rosam amicus videt heißt „Der Freund sieht die Rose“. Die Endung entscheidet, nicht der Platz im Satz.
  • Nur die Reihe aufsagen können. Im Text steht jede Form allein. Übe deshalb auch Schritt vier.

Wie du dich auf Vokabeltest und Arbeit vorbereitest, steht unter Klassenarbeit vorbereiten.

Häufige Fragen

Wie viele Deklinationen gibt es im Lateinischen?

Es gibt fünf: die a-Deklination, die o-Deklination, die dritte Deklination (dazu gehört die konsonantische Deklination mit Wörtern wie virtus, virtutis), die u-Deklination und die e-Deklination. Im Unterricht stehen die a- und die o-Deklination meist am Anfang.

Woran erkenne ich, zu welcher Deklination ein Wort gehört?

Am Genitiv Singular. Endet er auf -ae, gehört das Wort zur a-Deklination (rosa, rosae). Endet er auf -i, gehört es zur o-Deklination (amicus, amici und donum, doni). Deshalb lernst du den Genitiv bei jeder Vokabel mit.

Was ist der Ablativ und wie übersetze ich ihn?

Der Ablativ ist ein Fall, den es im Deutschen nicht gibt. Er antwortet oft auf die Fragen „Womit?“ oder „Wodurch?“, manchmal auch auf „Wo?“, „Wann?“ oder „Woher?“. Im Deutschen brauchst du dafür eine Präposition: Der Ablativ rosis heißt je nach Satz „mit Rosen“ oder „durch Rosen“. Häufig steht er auch nach einer lateinischen Präposition, zum Beispiel cum amico – „mit dem Freund“.

Wie lerne ich die Endungen am besten auswendig?

Sprich die Reihe zuerst laut, schreibe sie dann aus dem Kopf auf und wende sie an neuen Wörtern an. Verteile das auf mehrere Tage und frage dich zwischendurch selbst ab: Welcher Fall ist amicos, welcher rosarum?

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